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Selbst auf der Totenbahre kann man ihm noch ansehen, wie sehr der arme alte Mann gelitten hat. Er wirkt fertig, – nicht so wie die Leichname von Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen worden sind. Zu Lebzeiten ein entschiedener Gegner seines prüden Dogmatismus und doch voller Respekt für die politische Leistung dieses genialen alten Löwen, mag ich mich der allgemeinen Trauer nicht anschließen. Mir scheint, man hat ihn zum Ende hin ziemlich missverstanden, den großen Polen.

Wenn es etwas gibt, was das persönliche Format dieses gnadenlosen Gegners der innerkirchlichen Öffnung unterstreicht, dann ist es seine gelassene Art, das eigene Sterben als konsequente eigene Fortentwicklung zu akzeptieren und dies auch allen zu zeigen. Da wollte einer das Bewusstsein dafür schärfen, dass der allgegenwärtige Narzissmus unserer Ich-bin-ja-so-toll-society eine Luftblase ist. Seht her, sagte da einer, und schaut genau hin, wie ich Stück für Stück verfalle! Und während die Reichen und Schönen sich im Krankheitselend hinter die Mauern exquisiter Privatkliniken flüchten, ging der verstorbene Papst einen Weg der globalen Elendsvermarktung, dessen schonungslose Ehrlichkeit einem keine Wahl läßt außer einer Verbeugung in Hochachtung. – Da schwinden die weltanschaulichen Unterschiede vor der Größe, die dieser Mensch zeigte. Der Medienpapst blieb sich treu: Er starb gezielt öffentlich. Denn gerade das war sein Appell: Dass der Tod keine peinliche Entgleisung ist, sondern dass er zum Leben gehört. Dass er sich seine Zeit und seinen Weg selbst sucht. Und dass er keinen dabei schöner werden läßt, sondern meist nur viehisches Leiden mit sich führt. – Man konnte förmlich spüren, wie er sagen wollte: Na was denn, ich geh doch nur hinüber!

Mag man diese religiöse Einstellung teilen oder nicht, hier hat ein Individuum sich selbst in seinem christlichen Glauben vollendet. Und das ist schwere Kost. – So schwer, dass unsere Medien buchstäblich nichts davon kapierten. Anders lässt sich die Sprechblaseninflation auf allen Kanälen nicht mehr erklären. Eine Ansammlung wiedergekäuter Banalitäten, platt, detailversessen, ohne jedes tiefere Verständnis dafür, dass hier einer im angesicht des Todes nicht in die Knie ging, sondern unbeirrbar stehen blieb. Experten, die sich im Kaffeesatz verloren. Und die sich von Johannes Paulus II.  dadurch unterschieden, dass sie an dessen Kaliber nicht einmal annähernd heranreichten.

So blieb einem das klamme Gefühl, dass man selbst beim Sterben eines Titanen noch gnadenlos zugemüllt wurde. Besonders peinlich daran, wie die Erwartungshaltung gefüttert wurde: Demnächst fällt hier auf jeden Fall ein Tor. Tja, die Quote halt! Es gibt nichts mehr, was heilig ist, es sei denn, es wurde vorher medienwirksam heiliggesprochen. Nun warten wir noch, bis der neue Papst da ist. Vielleicht bekommen wir dann eine Life-Übertragung seiner Hämorrhoidenoperation. Die Show ist alles, der Inhalt nichts.